Ein schriftlicher grüner Tadel springt uns entgegen, als wir am Morgen das korrigierte Mathe-Heft aufschlagen. Wieder haben wir am Lehrplan von letzter Woche was übersehen – obwohl wir uns so bemüht haben. Ich fühle mich schlecht – Louisa weint. Ich sehe keine Chance zu arbeiten. Wie soll ich kreativ sein, wenn Xavi und ich grade das H lernen und ein Rechenfrühstück zu erledigen haben, während ich versuche, Louisa wieder aufzubauen und Emilia mir aus dem oberen Stockwerk per WhatsApp mitteilt, dass sie hungrig ist. Ich gehe nach unten, um die Wäsche zu machen. Dort angekommen, ruft Louisa um Hilfe. Ich sprinte wieder nach oben und zeige ihr, wie man das Geodreieck richtig einsetzt. Xavi hat inzwischen den Spitzerinhalt versehentlich auf den Boden gekippt. Irgendwie schaffe ich es, nebenher halbwegs aufzuräumen und Brot zu backen. Die Videokonferenzen der beiden Kleinen ruckeln. Standbild ist auch o.k. – zumindest hören wir die Anderen – teilweise. Emilia braucht jetzt dringend einen Ausdruck für Bio. Ich bin immer wieder erstaunt, welches Equipment unserem Haushalt vorausgesetzt wird. Zwischendurch checke ich meine Mails und bearbeite die Anfrage eines Kunden. Mein Steuerberater schreibt, dass er die Unterlagen des vergangenen Quartals asap benötigt. Somit steht dann auch mein Abendprogramm fest – Buchhaltung muss gemacht werden. Irgendwie schaffe ich es grade noch, Xavi für die letzten beiden Rechenzettel zu motivieren. Mein Erstversuch von Pizzaboden aus Karfiol gestaltet sich aufwändiger als gedacht und schmeckt den Kindern weniger gut, als erhofft. Ich Düse mit meiner Großen zur Therapie in die Stadt und anschließend erledigen wir den Wocheneinkauf – im Laufschritt, damit die beiden Kleinen nicht allzulange daheim vor dem Tablet sitzen. Leider bin ich ziemlich angespannt, als wir am Nachmittag im Garten ein Iglu bauen. Danach sind die Kinder hungrig und jedes hat andere Gelüste, die gestillt werden möchten. Als mir auffällt, wie sehr sich im Laufe des Tages das Chaos wieder bei uns eingeschlichen hat, kann ich fast nicht mehr. In militärischem Ton erteile ich meinen Kindern Befehle zum Aufräumen. Nicht sehr liebevoll. Mein schlechtes Gewissen plagt mich, als ich ihnen die Zähne putze. Die Situation verlangt uns allen viel ab. Langsam geht mir die Luft aus. Als ich nach dem Duschen meine Gute-Nacht-Küsse in den Kinderzimmern verteile, wird mir einfach nur warm ums Herz. Wie sehr ich sie liebe, meine drei Schätze – und wie sehr ich mir wünsche, daß sie bald wieder in eine „normale“ Kindheit zurück können. Morgen ist ein neuer Tag an dem ich versuchen werde, für uns alle das Beste aus den Umständen zu machen. Durchatmen, cool bleiben – Homeschooling ist nicht das Ende der Welt.

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