Ein kleines Atelier in der Schmelzergasse in Innsbrucks Stadtteil St. Nikolaus ist ihr Ort des Schaffens. Dort – wo edle Metalle zum Leben erweckt werden – findet man geballte Kreativität in einem Wunderland des Kunsthandwerks. Ohne viel Show und Blingbling gelingt es Sabine Nimz Schmuckstücke zu schaffen, die echt und authentisch wirken und in ihrer Besonderheit einzigartig sind. 

Ich spreche mit der gebürtigen Münchnerin über Prinzipien, Mindful Growth und die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft.

Sabine, du machst deine Arbeit zum Ausdruck deines persönlichen Lebensstils und deiner Werthaltung. Dabei spielt Nachhaltigkeit für dich eine wesentliche Rolle. Wie schaffst du es, Luxusprodukte unter diesen Aspekten umzusetzen?
Natürlich ist Echtschmuck per se schon nachhaltig. Die Materialien behalten ihren Wert und sind grundsätzlich Stücke für die Ewigkeit. Allerdings sind Arbeitsbedingungen und Umweltbelastung, die sehr oft mit der Gewinnung von Edelmetallen und Edelsteinen einhergehen, für mich nicht akzeptabel. Mein starkes Bewusstsein für die Umwelt wurde schon von meinen Eltern geprägt. Also verwende ich für meine Arbeiten nach Möglichkeit ethisch korrekt gefördertes oder Recycling-Gold und -Silber. Auch bei den Edelsteinen achte ich auf Fairtrade-Bescheinigungen. 

Mit deinem Talent, viel Feingefühl und Liebe zu deinem Tun schaffst du es, die Wünsche deiner Kunden zu erfüllen und dabei deinem Stil treu zu bleiben. Wo findest du deine Inspiration?
Hier geht es mehr um die Motivation, die hinter meiner Arbeit steht. Es ist mir wichtig, meinen Kunden Freude zu schenken. Mit diesem Ziel vor Augen gehe ich an meine Aufgaben heran. Außerdem lasse ich in meine Arbeit mein Verständnis von der Welt einfließen. Hier geht nicht um Perfektionismus, sondern um die Ästhetik der Asymmetrie. Das macht Dinge spannender für das Auge des Betrachters und langweilt nicht so schnell.


Du wirkst auf mich sehr geläutert und reflektiert. Gibt es eine Erfahrung, die dich geprägt und dein Leben nachhaltig verändert hat?
Als junge Frau hatte ich ein traumatisches Erlebnis, als ich am Berg vom Blitz getroffen wurde. Dieser Blitzschlag hat damals viele Ängste ausgelöst, die mich lange begleitet und geprägt haben. Aus heutiger Perspektive haben dieser Vorfall und immer wiederkehrende körperliche Signale mein starkes Bewusstsein geprägt, daß das Leben aus Werden und Vergehen besteht. 

Du lebst deine Kreativität auf vielfältige Weise aus. Dazu gehört auch die Kunst der japanischen Malerei. Nebenbei ziehst du ein Studium der Religionswissenschaften durch. Wo findest du deinen Ausgleich?
Ich lebe nach den Grundsätzen des engagierten Buddhismus. Das ist die Bemühung, zur Verwirklichung einer weltweiten, gewaltfreien und solidarischen Kultur der Achtsamkeit. Vor 8 Jahren habe ich mit Zen-Medidation begonnen und so eine sehr wirkungsvolle Möglichkeit gefunden, neue Kraft zu tanken und mich von Stress und negativen Gedanken loszulösen. Wir alle sollten viel mehr Licht sein, vor allem für unsere Mitmenschen und unseren Planeten.


Ganz bewusst hast du dich für ein Leben ohne eigene Kinder entschieden und musstest dich oft dafür erklären. Wie hast du das erlebt? 
Ich wusste schon immer, daß ich nicht dazu berufen bin, Mutter zu werden. Nichts sollte eine bewusstere Entscheidung sein, als Kinder in die Welt zu setzen. Ich selbst habe andere Aufgaben in diesem Leben. Natürlich breche ich mit meiner Haltung das klassische Rollenbild der Frau in unserer Gesellschaft – und das wurde in meinem Umfeld ausreichend thematisiert. Fakt ist aber, daß ich es nicht verantworten möchte, aus gesellschaftlichem Druck meine Prinzipien zu brechen und das auf dem Rücken eines Kindes auszutragen. Nicht nur diesbezüglich bin ich ein Mensch, der bestmöglich versucht, seinen Prinzipien treu zu bleiben.

Hast du jemals daran gezweifelt, auf dem richtigen Weg zu sein?
Ich hatte nie Zweifel am Weg, aber manchmal an den Wegbegleitern.

Du lebst sehr achtsam – auch was dein Konsumverhalten betrifft. Worauf könntest du in deinem Leben nicht verzichten?
Ich fühle mich nicht getrieben von Konsumrausch und dem Streben nach Überfluss. Was ich wirklich brauche, sind gute Freunde und meine Eltern. Und hin und wieder Auszeiten mit Tapetenwechsel um meine Akkus zu laden. 


Wenn du einem Kind einen Rat mitgeben könntest, welcher wäre das?
Du bist perfekt wie du bist. Verschwende keine Zeit damit zu denken, du bist nicht gut genug. 

Wie würdest du einem blinden Menschen die Farbe gelb beschreiben?
Gelb sieht aus, wie das warme Gefühl, glücklich zu sein. 

Welche persönliche Frage würdest du mir gerne stellen?

Sabine: Mich würde interessieren, wo du uns in 10 Jahren siehst?
Katja: Ich habe die Hoffnung, daß die augenblickliche Krise ein Cut ist, der ein Umdenken bewirkt. Wie vorher können wir in keinem Fall weitermachen. Natürlich denke ich dabei an meine Kinder und die Welt, die ich mir für sie wünsche. Meine Wunschvorstellung ist also ein Reset. Weg von schneller, mehr und größer und hin zu Achtsamkeit und Innovationen im Sinne unseres Planeten.

Goldschmiedeatelier Sabine Nimz
Schmelzergasse 8 · 6020 Innsbruck ·  Call: 0512 281362

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1 Comment

  1. Ein sehr schönes und anregendes Gespräch, das einen fröhlich und zuversichtlich in den Tag starten lässt. Eine interessante Frau die sehr klar ist – ich mag das.

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